AI075 Rauchen vs. Dampfen: Podcast zum Thema “Ist die E-Zigarette gesünder als die normale?”

Mit dabei:
  • Holger Mock
  • Prof. Dr. Christian Schumann
  • Thomas Zanker

Immer mehr Menschen rauchen nicht mehr Zigarette, sondern dampfen an der E-Zigarette. In Deutschland sind es inzwischen ungefähr 1,1 Millionen. Auf das Allgäu umgerechnet sind das knapp 6.500 Menschen. Das entspricht der Einwohnerzahl von Obergünzburg.

Viele betrachten das Verdampfen als gesündere Alternative zum konventionellen Rauchen und steigen deswegen auf die E-Zigarette um. Dabei stellen sich durchaus berechtigte Fragen: „Was genau dampft man da?“ und „Wie schädlich ist das?“

Zusammen mit Prof. Dr. med. Christian Schumann, dem Chefarzt des Klinikums Kempten und Spezialist für Lungenheilkunde, und Thomas Zanker, Student und Verkäufer in einem Allgäuer Dampfshop, haben wir über den inzwischen viel verbreiteten Trend gesprochen. „Wir essen alle Bio, aber inhalieren freiwillig Frostschutzmittel.“ Was der Professor mit dieser Aussage meint und was der Dampfshop-Verkäufer darauf antwortet, erfahren sie in unserem Podcast.

  • Daniel Pepecyb Hagemeister-Bie

    An dem Punkt, als der Herr Professor mit dem “Frostschutzmittel” um die Ecke kam, habe war für mich der Beitrag auch schon am Ende.

    Schade, dass immer wieder vermeintlichen Kapazitäten eine Plattform geboten wird, um schlicht Propaganda zu betreiben.
    Denn nichts anderes ist die Geschichte mit dem “Frostschutzmittel”… ganz billige pschologische Beeinflussung des Zuhörers. Wer Frostschutzmittel hört, denkt sofort an das grüne Zeug, das man sich in den Autokühler kippt, das wahrlich gesundheitsschädlich und ab einer gewissen Dosis tödlich ist… vielleicht erinnert sich noch jemand an den Weinskandal, wo minderwertige Weine durch Zusatz von Diethylenglycol aufgepeppt wurden, was schwere gesundheitliche Folgen hatte.

    Aber um solche “Frostschutzmittel” geht es beim E-Dampfen nicht. Es geht um Substanzen, die sicher auch als solche Mittel verwendet werden können, aber in diesem Bereich keine Bedeutung haben. Kein Mensch dampft Diethylenglycol. In E-Dampfgeräten kommen Propylenglycol, Glycerin oder sehr selten Polyethylenglycol (PEG / Macrogol) zum Einsatz.

    Es gibt viele Stoffe, die als “Frostschutzmittel” dienen können, was sie aber nicht gefährlich macht… vielleicht trinkt der Herr Professor ja ab und an mal ein Gläschen guten Wein oder ein Bier oder ein Schnäpschen?

    “Na, da ist Ethanol drin. Ein Frostschutzmittel! Nichts anderes ist es ja. Ist es gut, das zu tinken, wer würde das freiwillig machen?”

    Oder vielleicht isst er ja auch mal ein Frühstücksei und streut sich Salz drauf… oder er hat Kochsalz in seiner Suppe.

    “Na, da ist Salz drin. Ein Frostschutzmittel! Nichts anderes ist es ja. Ist es gut, das zu essen, wer würde das freiwillig machen?”

    Na, was gemerkt? Wo ist der Unterschied?

    Es gibt keinen, aber der Effekt ist unterschiedlich. Die Zuhörer wissen, was es mit Ethanol (Alkohol) und Kochsalz auf sich hat und würden sich mit dem Zeigefinger an die Stirn tippen, wenn jemand mit sochem Blödsinn daherkäme. Sie wissen, wo überall Alkohol und Salz drin ist, es ist ihnen aber nicht prsäsent, dass diese Stoffe auch als “Frostschutzmittel” dienen können und (allerdings ebenso selten, wie Glycerin und Propylenglycol) benutzt werden. Das ist auch nicht der ursprüngliche Einsatzzweck dieser Substanzen.

    Aber mit Glycerin und Propylenglycol sind sie nicht so vertraut. Deshalb wirkt das Schlagwort “Frostschutzmittel” anders. Es erzeugt negative Assoziationen, was offenbar von Herrn Professor genau so auch beabsichtigt ist. Das ist unseriös und manipulativ und diskreditiert ihn als neutralen wissenschaftlichen Informationsgeber.

    Nur mal so gefragt: Wer würde denn freiwillig auf “Frostschutzmittel” herumkauen? Wer würde im Sommer “Frostschutzmittel” lutschen? Wer würde “Frostschutzmittel” schlucken, um sich bei Mangelerscheinungen zu helfen? Wer würde sich “Frostschutzmittel” ins Gesicht schmieren? Wer würde Milch trinken wollen, wenn die Kuh “Frostschutzmittel” mit dem Futter bekäme? Wer würde “Frostschutzmittel” schlucken, wenn er krank ist?

    Antwort: JEDER! Denn wenn man tatsächlich Propylenglycol im Kern als “Frostschutzmittel” deklariert (mit dem negativen Beigeschmack, des Kühlerfrostschutzes, für das es quasi nie zum Einsatz kommt), der sollte sich im Klaren darüber sein, dass es ZUGELASSEN in Kaugummis entahlten ist, ZUGELASSEN als Trägerflüssigkeit für Lebensmittelaromen eingesetzt wird und damit zum Beispiel im lecker Speiseeis enthalten ist, dass es ZUGELASSEN in Kapseln von Nahrungsergänzungspräparaten enthalten ist, dass es ZUGELASSEN in sehr vielen Kosmetikprodukten, Cremes und Zahnpasta enthalten ist, dass das Futter von Milchkühen ZUGELASSEN damit versetzt wird, um Ketose zu verhindern und dass es ZUGELASSENER Trägerstoff zahlreicher Medikamente ist.

    Was macht das klar? Genau, dass Propylenglykol in erste Linie kein “Frostschutzmittel” ist (auch wenn man es als solches verwenden kann… genau so wie Kochsalz oder Alkohol), sondern ein ZUGELASSENER Lebensmittelzusatzstoff, Trägerstoff für Aromen, Nahrungsergänzungsmittel in der Milchviewirtschaft und Trägerstoff für Medikamente und Kosmetika.

    Wer also in einer Dikussion über das E-Dampfen gleich zu Anfang zum Kampfbegriff “Frostschutzmittel” greift um eine Gefährlichkeit des Aerosols zu “belegen” ist nicht ernst zu nehmen und argumentiert manipulativ in bester Tradition des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle beim DKFZ.

    Dass der Moderator gleich danach noch den “Steilpass” mit dem Ethylenglycolwein-Skandal spielt, sei ihm verziehen. Er ist vermutlich kein Experte, was das E-Dampfen anbelangt. Das zeigt aber auch ganz deutlich, wie die Erwähnung des Begriffs “Frostschutzmittel” auf den Uninformierten wirkt. Hier werden Äpfel und Birnen gleichgesetzt.

    Schön, dass der Herr Professor dann erzählt, er habe sich Studien angeschaut. Schade, dass er das offenbar selektiv getan hat und Cherrypicking betreibt. Würde er sich wirklich offen informieren wollen, dann würde er sich das gesamte Spektrum kritisch anschauen (und das würde eine genze Zeit dauern, denn es gibt doch schon ziemlich viele).

    Ich möchte hier jetzt keinen Link setzen, damit es nicht nach “Spam” ausschaut… aber wer interessiert ist, was es an Studien gibt und sich unabahängig von Professoren, die ihre Ideologie in die Köpfe hämmern wollen, orientieren möchte, gibt in einer Suchmaschine einfach einmal die Begriffe “Studien” “knowledge” “xraucher” ein und landet bei einer sehr umfangreichen Studiendatenbank zu eben diesem Themengebiet.

    So bleibt mir nur festzustellen, dass auch dieser Beitrag wirder einmal nur dazu dienen sollte, die Scheinargumente der E-Dampf-Gegener in die Öffentlichkeit zu transportieren.

    Und NEIN, dass nun auch ein Dampfshop-Betreiber als vermeinliches “Gegengewicht” eingeladen wurde, ändert etwas an der offensichtlichen Absicht. Das war ein ungleiches Paar, denn der unbedarfte Zuhörer vetraut dem “Weißkittel mit Titeln” mit Sicherheit mehr, als einem kleinen Geschäftsmann. Dabei wäre es durchaus leicht gewesen, adäquate Gesprächspartener für den Herrn Professor zu finden und für eine solche Sendung zu gewinnen.